Donnerstag, 7. Februar 2013

Rezension: Amokjagd - Jack Ketchum




Originaltitel: Joyride
Autor: Jack Ketchum
Verlag: Heyne Hardcore
Übersetzer: Kristof Kurz
Seitenzahl: 288
Preis:  8,95 Euro
Genre: Horror / Thriller
ISBN-10: 3453675452
ISBN-13: 978-3453675452


Quelle






Barstow, eine Kleinstadt irgendwo in Amerika. Wayne Lock ist ein junger Mann mit einer Mordswut auf alles und jeden. Einer dieser Gewaltausbrüche kostet seiner Freundin fast das Leben. Um ein Haar würgt er sie zu Tode, bevor er von ihr ablässt. Auf dem Weg nach Hause entdeckt er abseits eines Pfades drei Personen die miteinander ringen. Es ist Carole Garner, die mithilfe ihres Liebhabers Lee versucht, ihren Mann, der sie Jahrelang missbraucht und misshandelt hat, zu ermorden. Fasziniert beobachtet Wayne, wie sie ihn schließlich töten und eine Klippe hinunterwerfen. Wayne ist begeistert. Endlich hat er Menschen gesehen, die es gewagt haben, einen Mord zu begehen - etwas das er sich selbst immer erträumt hat. Während Carole und Lee mit schlimmen Gewissensbissen zu kämpfen haben, kennt Wayne nur ein Ziel: Er will die beiden Mörder kennenlernen und mit ihnen zusammen weitere Opfer zur Strecke bringen.


Nach Evil und Beutezeit nun wieder ein Ketchum zwischen meinen Fingern. Seine Horrorbücher faszinieren vor allem durch den Realismus. Sie schockieren, sind grausam und schrecklich. Seine Geschichten passieren so ähnlich über all auf der Welt. Man öffnet das Buch und blickt auf einen Punkt unserer Gesellschafft. Das sind wir. Menschen sind zu so etwas fähig.

Was geht im Kopf eines Massenmörders vor sich? Welche Gedanken? Gefühle? Wieso entscheidet er sich dafür?  Wayne Lock ist so eine tickende Zeitbombe. Brennt innerlich voller Hass auf beinahe jeden mit dem er es zu tun hatte. Führt ein Notizbuch mit Namen von Personen die er umbringen möchte. Die die es durch ihr unverschämtes Verhalten verdient haben.

" Roberts, 3.1.1993: Hundescheiße in der linken Hofecke. 3.1.1993: - hat nur die großen Stücke aufgehoben, Gras immer noch verdreckt. FÄLLIG." Oder " Loden, 25.2.1993: Bestellt Scotch mit Wasser extra, behauptet dann, er hätte Soda dazubestellt. FÄLLIG." ( Seite 29  )

Bei solchen Einträgen musste ich immer wieder kurz lachen. Lächerlich... und bemitleidenswert. So viel Verachtung. So viel Wut. Wayne ist die einzige Person in dieser Geschichte der tiefe Einblicke zulässt. Was wohl auch so beabsichtigt ist. Schließlich ist es seine Geschichte die im Buch festgehalten wird. Aber dadurch entstand keine Nähe zu den anderen Figuren. Nur Wayne, der mit seiner Denkweise und Handlungen faszinierte.

Fantasien blieben Fantasien. Sehnsüchte unterdrückt. Hass weiter geschürt. Bis zu dem Tag, als er einen Mord beobachtet. Er ist erleuchtet worden und fühlt sich befreit. Nun kann sein Lebenstraum in Erfüllung gehen.

Carole Gardner ist ein Opfer die aus tiefster Verzweiflung eine Mörderin wird. War das richtig? Hätte es nicht einen besseren Weg gegeben?

Carole tat es aus Angst, Wayne aus Vergnügen. Sie öffnet ihm die Tür und er vergöttert sie dafür.

Die Spritztour, wie es im englischen auch heißt, dauert nur wenige Tage. In diesen wenigen Tagen geschieht so vieles. Ketchum hält sich nicht mit viel Blabla auf. Was wichtig für die Geschichte ist wird erzählt, alles andere kann im Dunkeln bleiben. Kein Ausschweifen auf die wunderschöne Landschaft, die Farbe der Turnschuhe, wie das Haar liegt...  Daher trägt nicht nur der einfache Schreibstil dazu bei, durch die Geschichte zu rasen.

Die Gewaltszenen sind in diesem Buch nicht so abstoßend wie in einigen anderen seiner Werke. Hier hält er sich eindeutig zurück. Menschen sterben. Erschossen oder erschlagen. Ketchum hat auch diesen Menschen ein Gesicht gegeben. Sie führen ein glückliches Leben, haben Pläne und Ziele. Eine schöne Zukunft vor sich. Ungeahnt, dass die Zukunft nur noch wenige Minuten andauern wird. Dann ist es vorbei. Das Leben endet. Und warum? Einfach so. Ist das nicht beängstigend? Irgendjemand kommt plötzlich die Straße entlang und erschießt dich. Kein Abschied. Es könnte jeden Augenblick passieren.

Der Ablauf der Geschichte hat mir nicht ganz so gefallen. War ich bei den ersten Seiten noch sehr angetan, baute sich das Gefühl später langsam ab. Man stolpert ,genauso wie das mörderische Pärchen, nichtsahnend und unvorbereitet durch die Seiten. Steckt irgendwo Sinn dahinter? Sollte der Sinn da sein? Sollte nicht Waynes großes Ziel seine Ex-Freundin sein und seine besagte Liste im Notizbuch? Zum Ende hin erwartet einen dann doch das Fieber. Der Höhepunkt ist gelungen. Genauso wie das Komplette Werk. Der Weg war richtig, auch wenn er stellenweise ungemütlich war.

Sie erkannte, dass das Leben in Wirklichkeit nur eine überschaubare Menge an Zeit bedeutete. Man selbst bestimmt diese Menge. Als wären die Menschen nur ein Haufen Uhren, die alle auf eine andere Zeit eingestellt waren und unaufhaltsam ihrem Ende entgegentickten. ( Seite 22 )


Wieder hinterlässt Ketchum mich etwas nachdenklich zurück. Der Grund ist Wayne. Seine Taten. Eine faszinierende  Figur, der man dennoch nicht begegnen möchte. Sympathie ist zu ihm nicht aufgekommen, doch ist es die einzige Person die mir nachhaltig im Kopf hängen bleiben wird. Die Anderen waren dünn, uninteressant, nichtssagend. Zumindest für meinen Geschmack. Amokjagd war eine wilde Fahrt, mit vielen holprigen Phasen aber einem unglaublichen Ziel. Es unterhält, aber leider beeindruckt es mich nicht wie seine vorherigen Werke.




Kommentare :

  1. Die Tage werde ich mich an meinen ersten Ketchum trauen. Auch wenn ich mich für evil entschieden habe danke ich dir für deinen Post. Er war sehr aufschlussreich und interessant :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dankeschön :))

      Mit Evil machst du überhaupt nichts falsch. Ich finde, dass es sein bisher bester Roman ist! Da wünsch ich dir echt viel Spaß bei und hoffe demnächst eine Rezi in deinem Blog darüber zu lesen ;)

      Liebe Grüße,
      Inessa

      Löschen